Die Sprache als Hauptdarsteller in Bad Lauchstädt

Goethe-Theater Bad Lauchstädt | Foto: David Nuglisch

Als sich im Spätsommer 2026 im historischen Goethe-Theater der Vorhang hob, stand nicht allein die Kunst auf der Bühne, sondern vor allem die deutsche Sprache. Das Festspiel der deutschen Sprache lud erneut zu außergewöhnlichen Aufführungen, Lesungen, Konzerten und Gesprächen ein, welche die Ausdruckskraft deutscher Dichtung und Literatur in den Mittelpunkt stellten. Das Programm reicht von humoristischen Vorstellungen über Balladenkunst bis hin zu Schillers Schauspielklassiker „Wilhelm Tell“.

Geprägt wird das Festspiel seit seiner Gründung von der international gefeierten Kammersängerin und VDS-Vereinsmitglied Prof. Edda Moser, die das Festspiel 2006 im thüringischen Rudolstadt ins Leben gerufen hat und bis heute dessen künstlerische Leiterin ist. Ihr Anliegen war es von Beginn an, die deutsche Sprache als kulturelles Erbe hörbar zu machen. In einer Zeit rascher gesellschaftlicher Veränderungen setzt das Festspiel auf die Kraft des gesprochenen Wortes, auf Literatur und die große Tradition deutscher Dichtung. Unter Mosers Leitung hat sich Bad Lauchstädt im Süden Sachsen-Anhalts seit 2007 zu einem bedeutenden Ort der Sprachkultur entwickelt.

Abendliche Festspielstimmung vor dem Goethe-Theater Bad Lauchstädt | Foto: Jörg Bönisch

In zwei Jahrzehnten hat sich das Festspiel der deutschen Sprache in Bad Lauchstädt von einer Einzelveranstaltung zu einer Veranstaltungsreihe entwickelt, die 2026 Veranstaltungen unterschiedlicher Genres vom Lied-Recital über einen Rezitationsabend bis hin zur Opernaufführung enthielt. Eröffnet wurde das Festspiel am 29. August mit der Festspieloper „Die Entführung aus dem Serail“. Die dem historischen Original folgende Inszenierung von Igor Folwill wurde von Michael Hofstetter dirigiert.

Am 5. September gestalteten der Bariton Konstantin Krimmel und der Pianist Daniel Heide ein Lied-Recital mit Vertonungen deutscher Balladen. Auf dem Programm standen Werke von Schubert, Schumann und Carl Loewe nach Texten von Goethe und Schiller. Die Verbindung von Wort und Musik machte dabei deutlich, wie stark die deutsche Sprache über Jahrhunderte Komponisten inspiriert hat.

Am folgenden Tag widmete sich der Schauspieler und Synchronsprecher Udo Schenk in seiner Veranstaltung „Eine kleine Deutschstunde“ der klassischen Balladenkunst. Mit seiner markanten Stimme und seiner großen Textgestaltungskraft hat er die sprachliche Schönheit bekannter Werke deutscher Dichter herausgearbeitet.
Den dramatischen Höhepunkt bildete die szenische Lesung von Friedrich Schillers „Wilhelm Tell“ am 11. und 12. September. Das Freiheitsdrama zählt zu den bedeutendsten Werken der deutschen Klassik und passt damit in besonderer Weise zum Anliegen des Festspiels. Beide Vorstellungen waren bereits frühzeitig ausverkauft und unterstreichen die ungebrochene Anziehungskraft der klassischen deutschen Literatur.

Das renommierte MDR-Sinfonieorchester gastierte auch 2026 im Goethe-Theater Bad Lauchstädt | Foto: Jörg Bönisch

Ein Forum für aktuelle Fragen von Kultur, Sprache und gesellschaftlichem Zusammenhalt bot das literarisch-philosophische Gespräch am 12. September mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten Sachsen-Anhalts Dr. Reiner Haseloff und dem Moderator, Schauspieler und Kabarettisten Harald Schmidt. Den festlichen Abschluss gestaltete am 19. September das MDR-Sinfonieorchester. Mit Werken von Beethoven, Weber und Schubert sowie dem Klarinettisten Sebastian Manz als Solisten schlug das Konzert noch einmal den Bogen zwischen deutscher Musik- und Geistesgeschichte.

Weitere Informationen zu den Veranstaltungen unter www.goethe-theater.com.

Text: Jörg Bönisch